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Chronik der Familie Haeger (Auszüge)

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Vorwort

Die vorliegende Chronik der Familie Haeger ist keine bloße Aufzeichnung der Daten miteinander verwandter Menschen, sie ist auch eine lebendige Geschichte des Guts Mandelatz und aller Personen, die dort lebten und arbeiteten. Hier überschnitten sich die Lebensgeschichten vieler Familien, so zum Beispiel die der Knops, der Knuths und vieler anderer.
Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde alles Schaffen jäh unterbunden, die Menschen, sofern sie das Kriegsende überlebten, wurden aus ihrer Heimat vertrieben und in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die Erinnerungen an alle Menschen, die in Mandelatz und seiner Umgebung ein Zuhause hatten, wachzuhalten, ist auch Ziel und Verdienst der vorliegenden Chronik.
Mein Ziel bei der Anfertigung dieser Fassung war es, sie nicht nur Familienangehörigen nahebringen zu können, sondern damit auch Bekannten und Freunden etwas zeigen zu können, das ohne die Mühe Hermann Haegers, der sich in einer schweren Zeit viel Arbeit damit gemacht hat, vielleicht für immer verlorengegangen wäre. Man gewinnt einen Einblick in seine Welt, seine Zeit und in ein für meine Generation unentdecktes Land.

Reinhard Schinka , Berlin-Lichterfelde, den 29. Januar 1999.




Mandelatz (um 1930): Vor dem Eingang zum Gutshaus.
V. l. nach rechts: Franz Knuth aus Berlin-Pankow, Prenzel jun. aus Berlin-Reinickendorf, Hildegard Knuth (spätere Prenzel), Ella (4. v. l.), Siegfried (5. v. l.), Wilhelmine Henriette Haeger geb. Maaß (mitte), rechts daneben Martha Knuth geb. Haeger, Reinhard Haeger (3. v. r.), Prenzel sen. und Hermann Haeger

Chronik der Familie Haeger 1886 - 1950
Geschrieben am 25. V. 1950 von Hermann Haeger

Fern der Heimat, in Süderdeich bei Wesselburen/Holstein fange ich heute diese Familienchronik an, die mein Vater einst schrieb und die durch den Krieg verloren ging. Ich werde versuchen, was mir aus meiner Jugendzeit erinnerlich ist, und was mir meine Mutter als Erwachsener oft erzählte, wortgerteu niederzuschreiben.
Ich möchte da bei meinem Großvater väterlicherseits anfangen, der in Silesen, Kreis Belgard /Pommern einen Bauernhof von 180 Morgen hatte und Ludwig Haeger hieß. Er war in früheren Jahren Musiker gewesen und hatte sich bei einer Witwe Nörenberg eingeheiratet.

Dieser Ehe entsprossen vier Söhne:

  • 1. Albert Haeger,
  • 2. Reinhard Haeger,
  • 3. Theodor Haeger und
  • 4. Julius Haeger.

Albert ist mit ca. 20 Jahren gestorben, Reinhard hat sich in Zermin, Kreis Kolberg, eingeheiratet bei einer Familie Hencke, Theodor zog nach Mandelatz, Kreis Belgard /Pommern, und Julius bekam die väterliche Wirtschaft in Silesen.
In den Jahren 1886/87 ist das Gut Mandelatz A. im Kreise Belgard - bis dahin der Familie von Versen-Burzlaff gehörig - gerichtlich versteigert worden. Vorher waren beide Güter A. und B. auf Jahre verpachtet an Hempel und Schmeling.
Mein Großvater Ludwig und Sohn, mein späterer Vater Theodor Haeger, geb. 21.V.1857, waren zum Versteigerungstermin nach Belgard gefahren und hatten in Gegenwart des ehemaligen Pächters, der auch Interesse am Kauf hatte, das Höchstgebot vom 85.000 oder 86.000 RM abgegeben. Der Bruder vom bisherigen Pächter, der auch zum Termin erschienen war, hatte seinen Bruder zurückgezogen und gesagt: "Du willst doch da nicht pleite werden!"
Bemerken möchte ich, daß ich die Chronik, von meinem Vater geschrieben, oft gelesen habe, und es so von meinem Vater geschildert wurde.
Somit war mein Vater Besitzer des Gutes Mandelatz A. mit Vorwerk Kiefheide in Größe von 1350 Morgen.
In Gut A. war die Pacht abgelaufen, aber in Mandelatz B. lief die Pacht noch weitere fünf Jahre, und alles gute Inventar, Dung usw. wurde vom damaligen Pächter nach B. geschafft und A. vollkommen ausgesogen. Auch hatte mein Vater sämtliche steuerliche Lasten zu tragen und einen sehr schweren Anfang, der Acker war sämtlich verqueckt und zum großen Teil Brache.

Mandelatz A. zergliederte sich in 500 Morgen Acker und ca. 300 Morgen Wald, und der Rest war Wiesen, die nicht in Ordnung waren, und Wasser (Leitznitz-Forellenbach) in Gesamtgröße von ca. 852 Morgen. Das Vorwerk Kiefheide - drei Kilometer entfernt - hatte 80 Morgen Acker, ca. 300 Morgen Wald und Rest Wiesen, in Größe von ca. 452 Morgen nach der Grundsteuermutterrolle.
Mandelatz hatte nicht ein Arbeiterhaus bei der Übernahme, und auch der Wald war in einem vollkommen heruntergewirtschafteten Zustand. Das erste Arbeiterhaus hatte mein Vater von Bauer Latzke gekauft (Strohhaus Wiedenhaupt - Schäfer Höck), Mandelatz B. gegenüber.


Karte von Mandelatz, Kreis Belgard, 1938

Die Arbeiter wohnten, soweit es möglich war, eingemietet in Wohnungen von B. Nach und nach sind dann zwei Häuser für zwei Familien gebaut worden. So Haus Hähnke und Haus Boldt-Löper, letzteres gegenüber der Schule. Die Räumung des Gutes A. war vom Pächter ein halbes Jahr nach dem Kauf.
Mein Vater wohnte bis dahin noch in Silesen und kam öfter von dort die Dächer reparieren, blieb dann bei Bauer Latzke über Nacht.
Er hatte ein Vermögen von 35.000 RM, und es blieb eine Schuldhypothek bei der Landschaft in Treptow a. R., Kreis Kolberg, von ca. 50.000 RM. Es ist auf 500 Morgen Acker in M. nicht soviel Getreide gewachsen, wie zum Leben für den Betrieb gebraucht wurde.
Nach dem Zuzug von Silesen nach Mandelatz wirtschaftete mein Vater ca. drei Jahre ohne Frau mit Mädchen und hatte im Haus vier bis fünf Knechte, einen Schäfer und einen Kuhfütterer.
Nachdem er zwei Leutehäuser gebaut hatte, schaffte er die Knechte nach und nach ab, da sie nicht bodenständig waren und sich schlecht vertrugen.
Es fehlten in Mandelatz A. sämtliche Maschinen und Aufzäumung, und so brachte mein Vater aus Silesen Pferde und Wagen sowie einen Kutschwagen mit. Nach und nach hatte er dann Pferde und Inventar angeschafft. In der Nähe lag die Burzlaffer Mühle, Besitzer Arnold Nörenberg, der meinem Vater oft aus Geldsorgen half, besonders in den ersten Jahren, nach 10-15 Jahren borgte er von meinem Vater, da er ledig war, trank und spielte; Arnold Nörenberg und Bruder Ferdinand hatten eine Wirtschafterin, Frau Scheunemann genannt, Ev. Sie verkauften die Mühle und zogen nach Belgard, verloren das Geld - ca. 30.000 RM - in der Inflationszeit 1920-23 und wurden in Belgard Stadtarme (Sozialrentner).

Da in Mandelatz A. fast alle Maschinen fehlten, säte mein Vater fast alles Getreide selbst mit der Hand. Oft war er, wenn die Leute auf Arbeit kamen, vom Säen und sonstigen Arbeiten müde. Öfter war er auf den Patzlaffer Berg, der 200 m hinter dem Wohnhaus lag, gegangen und hatte nach seinem Heimatort Silesen, der nordöstlich lag, mit feuchten Augen geschaut, denn Mandelatz war einsam gelegen und mit Sorgen umgeben, dagegen war Silesen ein großes Bauerndorf mit Gasthaus, Geselligkeit und vielen jungen Menschen, und die Wirtschaft war ohne Schulden.

In den Jahren um 1890 hat sich mein Vater dann mit Wilhelmine Henriette Maaß aus Zarnefanz, Kreis Belgard, verheiratet, die am 1.XI.1857 geboren war und 24.000 RM Mitgift hatte. Gleichzeitig zog der unverheiratete Bruder August Maaß mit, der dasselbe Vermögen besaß und später mit ca. 60 Jahren verstarb. Auch die Schwiegermutter meines Vaters, Henriette Maaß, verzog nach Mandelatz, die auch vermögend war. In Zarnefanz bekam den Bauernhof von 120 Morgen der Bruder meiner Mutter, Friedrich Maaß, der mit einer Emilie Müller aus Groß Dubberow verehelicht war, und dessen Ehe zwei Töchter, Anna und Martha, letztere meine Frau, entsprossen.
Mein Vater stand sich nach seiner Verheiratung finanziell ganz bedeutend besser, und hat dann viele Schulden, z. B. beim Geschäft Freundlich in Belgard und anderen für Mehl und ähnliches, wie mir meine Mutter oft erzählte, beglichen. Er hatte ein Fach der 100 m langen Scheune, das sogenannte Kellerfach, an Mandelatz B. verpachtet, da er ja in der ersten Zeit nicht so viel erntete, daß die Scheunen voll wurden.
Da meine Eltern Bauernsohn und Bauerntochter waren, verstanden sie jede praktische Arbeit, die mit der Landwirtschaft verwandt oder verbunden war. So hat mein Vater bei allen Zuchtsauen, wenn sie ferkelten, selbst gesessen und in neun Monaten ca. 200 Ferkel aufgezogen, und sie haben so lange, wie beide wirtschafteten, selbst nach dem Kalben nach den Kühen, bei Tag und bei Nacht gesehen, und ich entsinne mich gut, wenn meine Mutter die Petroleumlampe ansteckte und des nachts, wenn es nötig war, nach dem Vieh sah.

An Gebäuden hat mein Vater gebaut:

  • Schweinestall rechts vom Wohnhaus massiv gewölbt, von Maurermeister Kreitlow, Dubberow, für ca. 100 Schweine.
  • Arbeiterhäuser, massiv, für vier Familien im Dorf.
  • Einen massiven Stall auf Vorwerk Kiefheide. Dann hat er den Wald in jeder Beziehung verbessert. So hat er den leichten Boden beim Bockberg ca. 30 Morgen an der Dubberower Grenze bis zum Dreu aufgeforstet, rechts und links der Wildbahn ca. 25 Morgen, Acker, ca. 15 Morgen beim Eichgrund, die bei unserem Fortgang aus der Heimat gegen 40 Jahre alt sein mochten, und in denen, da es Acker war, die Ackerfarbe sich bemerkbar machte. Es waren dies alles Kiefernbreitsaaten, von meinem Vater selbst mit der Hand gesät, wie mir Hofmann Hähncke erzählte.
  • Am Eschengrund, schiefen Hang: 1 Morgen.
  • In Kiefheide zwischen Strecke und Chaussee: ca. 30 Morgen.
  • Diesseits der Strecke beim Jagdhaus, zwischen Strecke und Feuerschutzstreifen:
Es ist mir dies alles nicht mehr erinnerlich, da es wohl in meiner frühen Kindheit gewesen ist. Ich weiß aber wie heute, daß ich meinen Vater im Alter von zehn Jahren auf der Jagd begleitete, und da er eine Mauserbüchse 11,15 mm und eine Doppelflinte Kal. 16 führte, beide Gewehre oft mitnahm, und ich dann ein Gewehr tragen mußte.

Aus der Ehe meiner Eltern waren zwei Söhne:
1. Reinhard Haeger, geboren 29. Januar 1893 und ich,
2. Hermann Haeger, geb. 6. Mai 1896, beide zu Mandelatz.

Mein Vater hatte verschiedene Ehrenämter inne, so war er Amtsvorsteher, Gutsvorsteher, Schöffe und Geschworener sowie Mitglied des Kreistages Belgard. Er war deutschnational eingestellt und hatte öfter Redner bei sich, mit denen er des Abends nach Burzlaff, Dubberow etc. zu Versammlungen fuhr und daher von seinen Nachbarn, von Kleist-Dubberow, von Versen-Burzlaff und Graf von Kleist-Retzow, Großtychow, sehr geschätzt wurde.

Kiefheide, ca. 80 Morgen Acker und die Wiesen waren meistens verpachtet. Es war bei meines Vaters Zeiten mit Jagd für 450 RM jährlich an den Pächter Bork auf zwölf Jahre verpachtet, und Borks hatten, nach Aussage meiner Mutter, dort gut gewirtschaftet und Gebäude und Acker in Ordnung gehalten. Da sie aber die Jagd nicht waidgerecht ausübten, war meistens Streit mit den Grenznachbarn, besonders mit dem damaligen Förster Stern, Hainrichshain. Nachbarn waren in Kiefheide von Rhoeden, Vietzow, ein Teil des Gutes Neuhof zu Vietzow gehörig, von Versen, Burzlaff, und von Kleist, Klein Dubberow, und der Staat grenzte bis auf 500 m.
Dem Pächter Bork wurde daher nach Ablauf der Pachtzeit Kiefheide nicht mehr verpachtet und die Jagd an das Gut Burzlaff verpachtet, die Landwirtschaft ruhte. Die Wiesen wurden von Mandelatz aus geerntet. In Mandelatz waren fast sämtliche Wiesen von meinem Vater angelegt, so u. a. die Rohrwiese.
Ein Teil der Rohrwiese lag jenseits des Leitznitzbaches auf Burzlaffer Seite, und mit Erlaubnis von Frau von Versen wurde das Flußbett auf Burzlaffer Seite gelegt, so daß die Wiesen auf Mandelatzer Seite zu liegen kamen. Allerdings waren damit eine Menge Arbeit und Geldausgaben verbunden. Dann legte mein Vater den größten Teil in Rieselwiesen an, baute oberhalb der Brücke eine Schleuse, und von dort aus einen Hauptgraben, der an der einen Seite der Wiesen verlief, und berieselte somit die ganze Rohrwiese. Später sind diese Rieselwiesen, da keine richtige Schleuse vorhanden war, eingegangen. Der Hauptgraben für die Rieselwiesen verlief 200 m oberhalb der Brücke, Weg Mandelatz A. - Kiefheide bis zum Moor an der Dubberower Grenze, und war etwa 1 ½ km lang. Die Wiesen lagen alle im Walde und waren 30-150 m breit. An der Grenzseite floß der Leitznitzbach nach Belgard in die Persante.

Brücke über den Leitznitzbach (um 1930, 1992)

An Anspannung wurden von meinem Vater neun Pferde bei dreijähriger Brache gehalten. An Vieh ca. 12 Kühe, 20-25 Stück Jungvieh, letzteres wurde 2 ½-jährig (tragend) vor dem Winter in die ganze Gegend an Händler verkauft, da keine Milchwirtschaft betrieben wurde. Vater rechnete so, daß er jeden Monat ein bis zwei tragende Starken verkaufte und so auch Einnahmen aus dem Viehstall hatte.
Die Molkerei Großtychow lag sieben bis acht Kilometer entfernt. An Schweinen hielt er ca. 50-60 Stück, an Schafen bis zu 300. Es wurde damals mit dreijähriger Brache gewirtschaftet und nicht mehr Anspannung benötigt. Die Eßkartoffeln kosteten in den Jahren 1907/1908 je Zentner 1,30 RM, Land verlesen (Marke Daber). Ebenso war das Vieh und Getreide billig. Auch der Wald brachte wenig ein, und das Holz war kaum loszuwerden. Mein Vater kaufte in den ersten Jahren von Großtychow und Klein Dubberow Kloben und Knüppelholz, da der eigene Wald ziemlich von den Pächtern heruntergewirtschaftet war und er wohl geschont werden sollte.


Bahnhof Kiefheide 1992

Gute Kiefernbestände hatte Mandelatz an der Rohrwiese und am Moor, Kiefheide diesseits der Bahnstrecke, welches mein Vater an Zimmermeister Schulz, Belgard, in späteren Jahren verkaufte, zwischen Strecke und Chaussee, wo die elektrische Leitung durchging.
Diese Bestände waren bei Lebzeiten meines Vaters aber alle noch jünger, auch wurde zu damaliger Zeit in Mandelatz keine richtige Waldwirtschaft betrieben, da der Wald ein notwendiges Übel und die Hälfte der 700 Morgen Forst nicht in Ordnung, zum Teil Ödland war.

Mein Vater war ein guter Jäger und Schütze und gehörte der Schützengilde Belgard an, und ich durfte ihn oft auf der Jagd begleiten und - wie ich schon sagte - ein Gewehr tragen.
Mandelatz war von großen Forsten umgeben, so z. B. Großtychow (8000 Morgen), Klein Dubberow (5000 Morgen) und Burzlaff (3000 Morgen), und es hatte daher eine sehr gute Hochwildjagd.

Einmal ging ich mit meinem Vater auf Jagd, und da er noch am Moor einen Hasen schießen wollte, sollte ich die Mauserbüchse tragen und ging an der Feldkante durch den Gänseteich, ein Erlenbruch, zur Moorecke-Dreu. Mein Vater hatte dabei wohl 8-10 Stück Rotwild rege gemacht, die ca. 100 m über freies Feld in Richtung Gänseteich an mir vorbei wechselten. Ohne langes Überlegen nahm ich die Büchse und schoß auf ein Stück, welches stark Keulenschuß waidwund zeichnete und hinter dem Rudel weit zurückblieb.
Es wurde am nächsten Tag von Onkel August, Bruder meiner Mutter, verendet gefunden. Mein Vater gab mir hierauf 2 RM. Ich kann wohl 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein. Ich weiß dies jedenfalls noch wie heute. Mein Vater kaufte einen Jagdhund von Förster Zick, Kiefheide, der Nero hieß und der Deutsch-Kurzhaarrasse angehörte. Er war ein starker, scharfer Würger.

Einmal wollte mein Vater dem Lehrer Schutz in Mandelatz, einen Hasen schießen, und dieser drückte mit mir einige Ecken Wald durch, doch es wollte nicht klappen. Inzwischen waren wir beim Bockberg angelangt, und mein Vater, der keine Lust mehr hatte, gab mir die Flinte und ging mit Herrn Schutz nach Hause. Ich ging dann in ein Stangenholz hinter dem Bockberg, heute Schonung, welches mit Wacholder durchsetzt war, suchte, und schon sprang Meister Lampe auf, ich legte an, schoß, mein Hase rollte, und am Abend hatte Herr Schutz seinen Hasen.

Diese Hahndoppelflinte Kal. 16 war noch 1945 gut erhalten, und ich habe mit ihr oft Wild erlegt. Allerdings wurde mit Schwarzpulver geschossen, und man sah im Pulverdampf das Stück Wild nicht, erst wenn er sich verzogen hatte. Ich schoß im Alter von 13-14 Jahren mit ihr Krähen aus der Luft. Auch hat mein Vater 1908/09 zwei Stücken Schwarzwild erlegt. Man fährtete sehr selten eine Sau, nur nach Jahren nahm das Schwarzwild zu (dann aber stark). Die Doppelflinte war von Schlossermeister Julius Fritzke, und am Tage des Kaufs waren meine Mutter und ich mit nach Belgard. Ich weiß das heute noch genau.

Meiner Mutter gefiel es in den ersten Jahren in Mandelatz nicht, und sie war öfter auf den Berg hinter dem Garten gegangen, hatte in Richtung Zarnefanz gesehen und geweint, wie sie mir erzählte. Später aber, wie es in Mandelatz besser und alles mehr in Ordnung war, hatte sie sich doch gefreut. Denn in Zarnefanz hatte sie viel und hart arbeiten müssen, fremde Leute wurden auf dem Bauernhof fast nicht gehalten, und so erklärte sich auch der Besitz des vielen Geldes bis zum Alter von 35 Jahren, da sie nach Mandelatz zog. Der Bauernhof in Zarnefanz war schuldenfrei, und es war später bei Friedrich Maaß noch Geld zu, und zwar 1914 60.000 RM, wie er öfter erzählte, welches er durch Erbschaft von seiner Mutter und Bruder August aus Mandelatz und zum Teil aus Ersparnissen erworben hatte, welches er durch die Inflationszeit 1922 usw. bis auf 10.000 RM verlor.

Mein Vater Theodor Haeger war ein ruhiger, sachlicher Mann, der überall beliebt war, rauchte, tanzte, und gerne einen trank, dagegen war meine Mutter etwas temperamentvoller, oft gar hitzig, und ängstlich veranlagt, aber eine treusorgende, sparsame Hausfrau. Ludwig Haeger, mein Großvater, hat sich, wie mir meine Mutter erzählte, oft längere Zeit in Mandelatz aufgehalten, bekam aber seinen Altenteil in Silesen. Er ist die Triebfeder des Gutskaufes in Mandelatz gewesen. Öfter ist meine Mutter mit Fuhrwerk mit ihm nach Belgard gefahren (ca. 18 km). Er ist ein sehr solider, ordentlicher Mann gewesen. Später ist er ganz nach Silesen gezogen und dort verstorben.

Julius Haeger, Garde, Berlin, Soldat, bekam, wie schon gesagt, die väterliche Wirtschaft und veheiratete sich mit einer Bauerntochter, geb. Krüger aus Kösternitz, Kreis Belgard.

Aus dieser Ehe waren nachfolgende Kinder:

  • 1. Martha Haeger, die spätere Frau Knuth , Berlin Pankow, Post,
  • 2. Berta Haeger, die spätere Frau Lüdtke, Berlin b. Post,
  • 3. Luise Haeger, die spätere Frau Berthold, Klug, Silesen,
  • 4. Paul Haeger, der spätere Besitzer des väterlichen Hofes,
  • 5. Alma Haeger, die Arthur Belz (kleinere Wirtschaft im Ort) heiratete,
  • 6. Karl Haeger, der ledig blieb und auf der Wirtschaft im Alter von 30 Jahren starb (Gehirnhöhlenvereiterung).
Julius Haeger ist im Alter von ca. 45 Jahren an Lungenentzündung verstorben. Da die Kinder noch jung waren, heiratete seine Witwe ihren früheren Wirtschafter Paul Winkler, der ca. 20 Jahre jünger, ordentlich, und der Wirtschaft eine gute Stütze war.

Aus der Ehe Reinhard Haeger, Zernin (diente beim Inf. Reg. 61, Thorn), waren Kinder:

  • 1. Olga Haeger, verehelichte Braasch, Necknin, Kreis Kolberg,
  • 2. Anna Haeger, verehelichte Schröder, Administrator,
  • 3. Otto Haeger , der spätere Bauer, heiratete Gertrud Storm, Darmgard,
  • 4. Frieda Haeger, heiratete einen Bauern in Pramm und starb nach ca. 10 Jahren,
  • 5. Karl Haeger, starb im Alter von 13-14 Jahren,
  • 6. Minna Haeger, unverheiratet,
  • 7. Gerhard Haeger, unverheiratet.
Reinhard Haeger ist im Alter von ca. 70 Jahren gestorben. Er war ein ruhiger, gemütlicher Mann, auf den ich mich im Alter von 20-30 Jahren gut besinnen kann, er hatte es in Zernin - die Wirtschaft war 180 Morgen groß - auch nicht leicht, da von seiner Frau verschiedene Geschwister waren, die er auszahlen mußte.
So hat mein Vater, Theodor Haeger, nach und nach aus einer heruntergewirtschafteten und verlotterten Wirtschaft eine viel bessere geschaffen, und 1910 waren 80.000 RM bares Geld, teils durch Erbschaft, teils durch Ersparnisse vorhanden. Die erste Maschine, die er kaufte, war eine Breitsähmaschine, mit der man jedes Saatkorn, vom Roggen und Hafer bis zur Seradella, säen konnte, und somit hörte das Säen mit der Hand auf.

Mein Vater hat in seiner Wirtschaftszeit nicht gerade viel gebaut, da er, wie er öfter gesagt hat, dem zweiten Sohn auch ein ansehnliches Vermögen zusammensparen, evtl. ein Gut kaufen wollte.

An alten Leuten waren von meinem Vater nach vielen Jahren noch wohnhaft:

  • Familie Albert Hähnke in Mandelatz. Mit etwa 75 Jahren verstorben, war lange Jahre Hofmeister und Vorarbeiter (50 Jahre).
  • Familie Hermann und Albert Wiedenhaupt. Ersterer Gespannvorkutscher, letzterer, sein Bruder Albert, Kutscher und Gespannführer, der so lange da war wie meine Mutter. Er war später Kuhfütterer und danach Schäfer. Albert, Schäfer Höck viele Jahre wohnhaft, danach sein Sohn Georg Schäfer, war Hausfaktotum und machte schon bei meinem Vater allerlei Nebendienste, vom Kutscher bis zum Obertreiber auf Wild. Er kannte im Feld und Wald jeden Stein, Baum und Strauch, und wenn es hieß: "Albert, da und da hängt der Rehbock oder der Hase", so sagte er nur: "Jo, jo, ick weit all", und er ging freudestrahlend ab, oder fuhr mit Fuhrwerk und brachte das Wild todsicher an.
Mein Vater hat 1908 und 1909 je einen Überläufer erlegt, schoß aber in der Brunft und auch sonst ab und zu einen Hirsch oder ein Tier, so einen Zehner Hirsch im Rohrwiesenstangenholz, welches damals dicht mit Wacholder durchsetzt war, und an dessen Stelle die heutige Rohrwiesenschonung ist. In mir wurde natürlich durch die Begleitung meines Vaters die Jagdleidenschaft geweckt, und öfter ging ich allein, mit der Schrotflinte bewaffnet, auf Jagd, und erlegte auch etwas. Auch ging ich mit Bruder Reinhard, der ja schon einen Jahresjagdschein besaß, mit auf Jagd.

Reinhard besuchte damals die landwirtschaftliche Schule in Schivelbein, ich die Volksschule in Mandelatz, danach die landwirtschaftliche Schule in Köslin.
Wie ich schon sagte, war mein Vater Amtsvorsteher, und ich habe öfter Briefe an den Herrn Landrat zu Belgard und andere Behörden schreiben müssen, die er mir diktierte. Auch hat er zu damaliger Zeit den Acker gut gekalkt und anderen künstlichen Dünger wie Chilisalpeter angewandt, und er hatte sehr gute Ernten.

Einmal haben wir, mein Vater, Reinhard und ich einen Ausflug per Rad nach Köslin-Sorenbohm gemacht, wie ich wohl erst 12 Jahre alt war und mit den Füßen noch nicht zum Pedal reichte. In Köslin machten wir dann Schluß, da ich mich schon durchgeritten hatte und fuhren abends per Bahn nach Hause. Auf dem Radausflug sangen wir dann:
"Mein Vater, der im Himmel wohnt, als König aller Engel throhnt, er ist mir nah bei Tag und Nacht und gibt auf meine Schritte acht". Dies weiß ich heute noch genau.

Mein Vater ist dann nach einem segensreichen, sorgenvollen Leben am 29. IV. 1910 in Mandelatz verstorben. Er war erst 53 Jahre alt. Als Amtsvorsteher war er mit seinen Wehrpflichtigen nach Großtychow zur Musterung, hatte sich dort erkältet, bekam Lungenentzündung; Dr. Heise, Belgard, war sein Arzt. Nach überstandener Lungenentzündung stand er zu früh auf, wirtschaftete auf dem Hofe, bekam Rückfall und verstarb.
Onkel August, Mutters Bruder, starb drei Wochen früher an Lungenentzündung. Er lebte als Rentner, verrichtete treue Dienste als Backofenheizer, hackte das Holz für den Haushalt und machte sich sonst nützlich. Er hat wohl ca. 25 Jahre unverheiratet in Mandelatz gelebt. Beide schlafen in Mandelatz auf dem Friedhof.

Jetzt stand meine Mutter allein mit der Wirtschaft und uns beiden im Alter von 17 und 14 Jahren und hatte nun viele Sorgen. Da kein Testament gemacht war, kam eine Gerichtskommission, bestehend aus Rittergutsbesitzer von Kleist, Drenow, Rittergutsbesitzer Schmieden, Ballenberg, und Amtsgerichtssekretär Ullrich, Belgard, und schätzten Mandelatz ab. Wir beiden Söhne bekamen je 52.000 RM und meine Mutter das Gut. Da 100.000 RM bares Geld, Sparkassenbücher und Hypotheken vorhanden waren, war eine Teilung nicht schwer, wie oben erwähnt. Meine Mutter hätte sich jetzt einen ordentlichen Wirtschafter nehmen sollen, hat aber dann mit den alten Arbeiterfamilien Vorkutscher Hermann Wiedenhaupt und Hofmeister Hähnke allein mit Bruder Reinhard zusammen gewirtschaftet. Vormund für uns beide war meine Mutter und Beistand Lehrer Schutz.
Eine Hypothek von 4000 RM war auch auf die Burzlaffer Mühle bei Nörenberg eingetragen, der ja mein Vater beim Anfang Geld geborgt hatte. Das Blatt hatte sich gewendet.

Es wurden bei meines Vaters Lebzeiten fünf Arbeiterfamilien je zwei bis drei Mann gehalten, von uns nach Jahren sieben, da die dreijährige Brache wegfiel und viel am Wald gearbeitet wurde. So habe ich später von den 700 Morgen Wald, die vorhanden waren, ca. 300 Morgen in Schonungen angelegt, da die alten Bestände zum Teil Anflug, teils schlechte Bestände von Ödländereien waren.

Nach und nach wurde mein Bruder Reinhard älter und hat nach besten Kräften dann gewirtschaftet. Ich ging noch zur Schule. Im Sommer mußte ich nach Großtyrow und im Winter nach Neu-Buckow zum Konfirmandenunterricht, auch bei vielem Schnee über Feld, später durch den Wald nach Neu-Buckow, zu Pastor Meinhof zum Unterricht mit anderen Kindern aus dem Dorf fünf Kilometer gehen. Es war dies oft wohl nicht leicht. Mein Bruder ist in Schivelbein konfirmiert, wozu meine Eltern mich auch mitnahmen. Es ist mir dies noch gut in Erinnerung.

Mein erster Lehrer in Mandelatz war Herr Wendorf, ein Jahr später Herr Schutz, der ein strenger, aber gerechter Lehrer war, und durch dessen Mithilfe ich mit 16 Jahren einen Jagdschein bekam. Er verstarb an Herzschlag und ist auf dem Mandelatzer Friedhof beerdigt.
Meine Mutter hat dann 1912 den Kuhstall neu gebaut unter Mitwirken von Reinhard und Herrn Schutz durch Herrn Großmann, Großtychow, und sie bezahlte dafür 12.000 RM.

Es folgten dann einige Jahre ungetrübten Wirkens, da wir allmählich älter und größer wurden. Inzwischen besuchte ich die landwirtschaftliche Schule in Köslin durch Vermittlung von Herrn Syring, Boissin, und war danach als Lehrling-Volontär im Gräflichen Betrieb Großtychow.

Dann brach der Krieg 1914 aus, und Reinhard wurde ein Jahr danach eingezogen. Ich ging von Großtychow bei Administrator Müller fort und wirtschaftete nun in Mandelatz weiter, bis ich 1916 zur Maschinengewehrkompanie nach Königsberg in Ostpreußen eingezogen wurde. Meine Mutter hat nun wieder allein die Wirtschaft geführt, bis ich im Herbst 1917 aus Rußland/Polen/Wilna/Kowno/Krewo entlassen wurde. Ich kam zum Ersatztruppenteil nach Stettin, wurde zum Heuen an die Oderwiesen kommandiert, fiel hierbei in die Oder, ertrank fast und wurde als "g. v. Heimat" nach Mandelatz entlassen, da meine Mutter reklamiert hatte.
Sie hat mir Mandelatz dann gerichtlich verschreiben lassen, und ich war Besitzer bis 1920 unter der Bedingung, daß Bruder Reinhard keinen Anspruch darauf erhob. Dies tat er 1920. Er war im Felde bei der Armee Fernsprechabteilung 15 und verheiratete sich 1915/16 mit einziger Tochter Ella Knop, Pumlow, deren Wirtschaft 140 Morgen groß war. 1920/21 verkauften sie dort und kamen nach Mandelatz (Gustav Knop, Bernhard und Emma Hausmädchen, die bis heute 35 Jahre im Hause Knop/Haeger ist). Das Geld, das in Mandelatz nicht in die Wirtschft gesteckt wurde, ging zum Teil verloren. Später sind in Pumlow zwei Bauernhöfe, die beide gut waren, daraus entstanden.

Gustav Knop, der Vater von Ella Knop, hatte viele Jahre die Gemeindejagd bejagt, und auch Reinhard blieb einstweilen in Pumlow, hatte aber durch Zureden anderer den Drang nach Mandelatz. Der Zuzug erfolgte wie vorher gesagt.

Reinhard baute nun das alte Gutshaus in Mandelatz zu einem Landhaus mit Frontspiß und zwölf Zimmern um. Eine Bretterscheune auf dem Hof links wurde gebaut. Da das ganze Gebäude links schlecht und baufällig war, fing ich 1917/18 schon beim Bau des Pferdestalles mit Maurermeister Kreitlow, Dubberow, an, und wir errichteten daneben anschließend eine Kutschwagenremise. Nach einigen Jahren wurden dann auch der heutige Schafstall und die Kellerscheune von mir gebaut, und das ganze Gelände war in seiner vollen Länge (ca. 100 m) neu. Eine Bretterscheune wurde von Reinhard gebaut (Koltermann, Zadtkow).

1917 war ich drei Wochen auf Herbst-Ernteurlaub aus Rußland in Mandelatz und hatte schon einige Jahre vorher Verbindung mit dem Nachbarförster Eduard Voelz, Dubberow, aufgenommen, dem ich zum größten Teil meine jagdlichen sowie forstlichen Kenntnisse verdanke. Denn wenn ich auf Urlaub war, mußte ich auch zu Voelz gehen, und es wurden auch kleine Drücken veranstaltet, da Voelz auf dem Gut ca. 30 russische Gefangene mit Wildpret zu versorgen hatte. Wild war viel, ich schoß gut und war ein gerngesehener Gast. Ich forstete nun in den drei Wochen Urlaub die Fläche am Waldeingang vom Hause aus rechts auf. Anschließend durchpflanzte ich die lückige Schonung mit Fichte (Rottanne) vor der Brücke rechts, die heute ein Alter von 32 Jahren hat und sehr hübsch und schön aussah, besonders an der Landstraße nach Kiefheide und an der Feldkante zum Rohrwiesenweg. Voelz besuchte mich hier einmal bei der Aufforstungsarbeit und borgte mir fast immer seinen Waldpflug und gab mir Anleitungen. Danach fuhr ich wieder in den Krieg.

Meine Mutter hat in den Jahren 1913/14 noch ein Arbeiterhaus aus weißem Kalksandstein gegenüber der Schule für August Wiedenhaupt gebaut. Letzterer war ein sehr geschickter Dachdecker und Arbeiter, der meinem Vater in den ersten Wirtschaftsjahren beim Dächerumdecken viel geholfen hat und dafür extra bezahlt wurde. Er verstarb im Kriege 1914/18 an einem Kehlkopfleiden und ist auf dem Friedhof in Bromberg beerdigt. Übrigens waren wir beide beim Landwehr Inf. Rgt. 379 im Osten. Wiedenhaupt hat mir öfter, da er bei der Küche war, mehr Brot gegeben als mir zustand, und meine Kameraden freuten sich dann. Die Verpflegung war 1917/18 auch schon knapp. Während Bruder Reinhard sich der Landwirtschft widmete, bebaute ich den Wald. Da mehrere Holzschläger beschäftigt wurden, die laufend, Durchforstungs- und Kulturarbeit verrichteten, hatte ich reichlich Beschäftigung und ging während der Freizeit auf Jagd.
In Kiefheide lag der ganze Acker von Borks, der bisher gut bestellt war, Brache, da Gut Burzlaff nur zum Teil Landwirtschaft betrieb. Es wurden wohl gegen 10 Morgen von Frau von Versen für zwei Holzschläger, die im Wohnhaus von Vorwerk Küth wohnten, bestellt, dazu ein Teil der Wiesen beim Hause. Der Rest Wiesen wurde von Mandelatz B. geerntet. Vor den Holzschlägern Gebr. Nitz wohnte der Großförster Zick in Kiefheide, dem von Burzlaffs Gut gekündigt war. Er hatte darauf die große Scheune, die dort zum Vorwerk K. gehörte, in Brand gesteckt und sich anschließend vergiftet.
Inspektor Krumhauer hatte in aller Frühe den Vorfall meiner Mutter gemeldet, da Vater nicht anwesend war. Vater sah jetzt, daß er in Bork einen besseren Pächter gehabt hatte. Von mir wurde dann nach Jahren wieder eine Bretterscheune gebaut. Es waren in Kiefheide wohl gegen 150 Morgen Anflug (Kusseln) und Ödländereien vorhanden, ebenso in Mandelatz, und der Einschlag der schlechten Bestände brachte teils nicht die Aufforstungskosten ein. Das Holz wurde von mir dann in der Gegend zum Teil verkauft, zum Teil an das Sägewerk Kiefheide, Besitzer Adolf Götz, abgegeben, dem ca. sieben Morgen Acker am Bahnhof abgegeben wurden.

Aus der Ehe meines Bruder Reinhard mit Ella Knop waren zwei Kinder:

  • Siegfried Haeger, geb. 16. Januar 1925 zu Köslin und
  • Charlotte Haeger, geb. 27. Mai 1928 zu Belgard.
Sie besuchten die Volksschule in Mandelatz, anschließend dfas Gymnasium bzw. Lyzeum in Belgard. Charlotte ist meine Pate.
Siegfried erlernte danach die Landwirtschaft bei Gutsbesitzer Harmel, Neu-Bulgrin, Krs. Belgard, wo er jede Arbeit praktisch verrichtet hat. Im Winter darauf besuchte er die landwirtschaftliche Schule in Belgard, ging darauf auf das Gut des Herrn von Kleist-Retzow-Damen, Verwalter Herr Heidemann, bis er Soldat wurde. Er hat mich auf meinen Feld- und Waldgängen oft begleitet und auch beim Auszeichnen der Bestände geholfen, was ihm später sehr zum Vorteil war.

Nun noch einmal zur Waldwirtschaft: Die Gebäude in Mandelatz waren fast alle neu! Ich hatte mein ganzes Augenmerk darauf gerichtet, den Wald in Mandelatz und Kiefheide in Ordnung zu bringen, und so fing ich in Kiefheide an.
Es wurden von mir aufgeforstet:

Wie schon erwähnt in Mandelatz am Waldeingang und Brücke ca. zehn Morgen Pflanzung Kiefer-Fichte, 1945 ca. 32 Jahre alt. Die Fichten mußten der Telefonleitungen wegen schon gestutzt werden, und wenn man bei der Brücke bei Schnee und Vollmond einen Hasen schießen wollte, so war der Schatten der Bäume mitten auf der Brücke.
Mein Vater hat dort bei der Brücke zwei Hasen mit einem Schuß erlegt und ich an einem Abend bis zu drei Stück, man mußte aber bis drei Stunden bei 10-15 Grad Kälte sitzen. Es kam vor, daß der Hase bei Kopfschuß von der Brücke in den Bach sprang, ca. 150 m weit trieb, und dann am anderen Morgen eingefroren im Eis gefunden wurde. A. Hörenberg hat an der Brücke sechs bis sieben Hasen Jahre zuvor erlegt, ein Zeichen dafür, wie wenig Hasen jetzt waren. Ich beschreibe dies absichtlich genauer, da ein Stück Jägerfreude mit der Brücke verbunden war und es ab und zu gar ein Fuchs wurde. Auch erlegte ich mal im Halbdunkel einen Terrier statt Katze, der dann im Leitznitzbach verschwand. Bei mir auf dem Felde waren Rüben und Saaten und bis zur Brücke eigener Wald. Jenseits der Brücke aber tausende von Morgen Wald Burzlaff und Dubberow angehörig und nur Waldäsung. Daher der gute Paß auf der Landstraßen-Brücke, und oft hörte man kilometerweit in der Ferne einen Schuß, der wie ein Puff zu hören war.

Weiter habe ich aufgeforstet:

  • Kiefheide Grenze-Neuhof-Burzlaff Kiefernsaat ca. 25 Morgen; heute 15-20 Jahre alt.
  • Kiefheide Grenze Vietzow-Neuhof Saat Bankskiefer gemischt, 15 Morgen.
  • An der Burzlaffer Grenze am Wege nach Zadtkow, 10 Morgen Kiefernpflanzung.
  • Ecke bei Abelt Chaussee Kiefer, Fichte am Wege nach Zadtkow, 3-4 Morgen.
  • Am Wege nach Vietzow rechts von Götz ca. 40 Morgen Kiefernpflanzung.
  • Zwischen Strecke und Chaussee ca. 8 Morgen Kiefernsaat und Nachpflanzung.
  • Zwischen Strecke und Dubberow-Burzlaffer Grenze Pflanzung und Saat ca. 35 Morgen. Da ich drei bis vier einjährige Kiefernpflanzen pro Meter pflanzte, habe ich selten nachbessern brauchen. Auch wurde Kulturpflege getrieben und - wenn erforderlich - Gras gemäht, und es war oft nicht leicht, die benötigten Leute dazu frei zu bekommen. Männer haben mit langen Scheren und Hacken den Ginster bekämpft, der besonders in Mandelatz gerne wuchs, er vertrocknet alle sieben Jahre von selbst oder erfriert.
  • Am Jagdhaus in Kiefheide Unterbau mit Fichte ca. 1 Morgen. Auch wurde ganz Mandelatz und Kiefheide nach und nach ordentlich durchforstet und bei ganz schlechten Beständen Kahlschlag gemacht.
  • Beim Pächter Böttcher ca. 10 Morgen mit Kiefer aufgeforstet. Es war soeben vom Jagdhaus Kiefheide die Rede. Gebaut wurde es mal von einem Jagdgast Walter Ignatz, Schneidemühl, und Franz Knuth und Familie, welche dort wochenlang wohnte, hat es später gekauft und vergrößert. Es lag im herrlichen Tannen- und Kiefernwald ca. 300 m vom Bahnhof, aus doppelwandigen Brettern mit Nadeln und Moos erbaut. Es bestand aus zwei Räumen, einem Schlaf- und einem Wohnraum mit grünem Kachelofen und Herd. Es ging dort oft lustig her, besonders wenn ein Stück Wild "tot getrunken" wurde.
In Mandelatz aufgeforstet:
  • In den Muscheln, wo Bäche, Leitznitzbach-Hasselbach zusammenfließen, ca. 25 Morgen Kiefer und Fichte.
  • An der Brücke links am Wege nach Kiefheide ca. 10 Morgen.
  • Die beiden Tannenmulden am Eschengrund 4-5 Morgen.
  • Am Dorf ca. 10 Morgen. Es wurde nur mit größeren Schulkindern und Frauen, die teilweise aus der Gegend waren, gearbeitet.
  • Kleine Wildackerschonung ca. 8 Morgen.
  • Dachsbauschonung ca. 8 Morgen Kiefer-Fichte, teils nachgebessert mit Fichte.
  • In zwei Frühjahren Rohrwiesenschonung angelegt und durch Arbeitslose hacken lassen; ca. 35 Morgen am Kreuzgestell. Dies war das Herz der Mandelatzer Jagd. Zu Kulturarbeiten wurde fast immer der Waldpflug benutzt, und Arbeiter hackten nach. Reihenentfernung 1,10 m - 1,20 m, auf den Meter 3-4 einjährige Kiefern; Fichte auf 1 m bis 1,20 m Entfernung gebohrt und mit Spaten gepflanzt.
  • Moorschonung Kiefer-Fichte-Birke, bis Sekretär Kanzel-Erich Knop ca. 20 Morgen. Hier war später immer Wild, da Wasser und Suhlen vorhanden waren, und Dachsbau, wo fast immer Fuchs steckte.
  • Am Moor, am herrlichen Schnepfenstrich 1 Morgen Fichte-Erle (mit Waldpflug Streifen gepflügt). Torftrockenplatz.
  • Unterbau mit Fichte Rohrwiesenstangenholz ca. 10 Morgen.
  • Am Bockberg an der Feldkante und Dubberower Grenze 7 Morgen. Es sind dies 285 Morgen, und die einzelnen Flächen sind nicht zu hoch geschätzt.
Die Kulturen waren schön geschlossen dicht, und es steckte im Laufe der Jahre überall Wild. Mandelatz und Kiefheide hatten jetzt Standwild, und wir mußten bestrebt sein, das Wild kurz zu halten, da sonst zu viel Wildschaden war. Es befanden sich in Mandelatz und Kiefheide je zwei Wildäcker. Im Frühjahr schoß ich mal an einem Abend aus einer Rotte drei Überläufer von acht bis zehn Stück mit Kuske Nr. 4 auf dem Sommerroggen-Hafer Wildbahn von der Kanzel am Gestell mit Mauser Repetierbüchse 9.3 mm mal 62, 3.5 gr mit Zeiss-Zielvier. Es befanden sich in Mandelatz und Kiefheide an verschiedenen Stellen Hochsitze und Kanzeln.

So hat die Familie Haeger in zwei Generationen, Väter und Söhne, das Gut Mandelatz mit Vorwerk Kiefheide fast ganz neu in Gebäuden und Wald aufgebaut und nach jeder Richtung hin verbessert. Mandelatz hatte einen Einheitswert von 93.000 RM und hatte einen Wert von 300.000 RM (Verkaufswert). Nach dem Tode meines Vaters sind die Nachbarn von Kleist, Dubberow, öfter an meine Mutter herangetreten, um Mandelatz zu kaufen. Meine Mutter hatte aber immer aus Rücksicht auf uns beide hin abgelehnt, was ich ihr heute noch hoch anrechne. Denn wie viele jagdliche Freuden haben wir im herrlichen, idyllischen Mandelatz gehabt, besonders, da Reinhard und ich große Jäger waren. So erhielt ich in jedem Jahr vom Kreisjägermeister einen Jagdpreis für Abschuß von Korkenzieherböcken und schlechten Hirschen. Auch habe ich im Laufe der letzten 20 Jahre recht starke Hirsche und den besten Bock im Hegering erlegen können; denn im stillen, abgelegenen Mandelatz stellten sich immer wieder die stärksten Hirsche und Keiler ein.

Dann war im herrlichen Mandelatz der Forellenleitznitzbach, wo ich als Junge und Mann manche Forelle und manchen Aal wie einen Arm dick auf Nachtangeln fing und dabei manches Waidmannsheil hatte.
Der Leitznitzbach bildete die natürliche Grenze zwischen Großtychow-Gut-Burzlaff und Dubberow und umfloß Mandelatz in einer Länge von 2 ½-3 km zu 2/3 durch Wiesen und Wälder. Im Sommer stand der rote Bock auf den Wiesen und Kleeschlägen, und abends traten die Sauen aus. Im Herbst röhrten bis zu zehn Hirsche in der näheren und weiteren Umgebung, und öfter in der Nacht machte ich mein Schlafstubenfenster auf, um in den Rüben, Kartoffeln und Wruckenschlägen die schreienden Hirsche zu verhören, um danach am Morgen den Pirschgang einzurichten.
Erlegt wurden im Durchschnitt in Mandelatz zwei bis drei Hirsche, sechs bis sieben Kahlwild, gegen zwanzig Sauen, zwanzig bis dreißig Hasen, vier bis fünf Rehböcke und sechs bis sieben Rieken, gegen zwanzig Füchse nur im Herbst und Winter , gegen dreißig Enten, fünf bis sechs Waldschnepfen u. a., und ungefähr ähnliche Strecke wurde in Kiefheide gemacht. Es grenzten, wie schon erwähnt, Rittergut Vietzow, von Rhoeden, 4000 Morgen Wald, von Versen, Burzlaff, 3000 Morgen Wald, Gut Neuhof, Poebe, 900 Morgen Wald, und Klein Dubberow 4200 Morgen, Besitzer von Kleist, und es lag Kiefheide als Herz mitten drin, wo jetzt auch Wild war, da seine Schonungen herangewachsen waren.

Kurt Treichel erlegte einen starken Vierzehnender in Brunft 1939, da ich Soldat war. Bruder Reinhard bekleidete einige hohe Ämter in Stettin und war nur ab und zu zu Hause. Somit wirtschaftete ich fast immer selbständig; dazu hatte ich noch einige Ämter wie Amtsvorsteher und Bürgermeister, und ich war beeidigter Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer zu Köslin bzw. Stolp. Es oblag mir die Begutachtung von Saat und Speisekartoffeln, die Probenahme von Sämereien und Getreide, und ich hatte somit voll zu tun. Unterstützt wurde ich zum Teil durch Hilfsförster Ketelhut, der Mädchen für alles war und einmal, da Schwägerin Ella den Arzt plötzlich empfangen mußte, mußte Ketelhut sie beim Pfannkuchenbacken ("Berliner") anlösen. Da der Arzt aber die Haustür vorne verschlossen vorfand, ging er nach hinten durch die Küche, wo er Ketelhut im Försterhut am Herd sah. Wir haben oft darüber gelacht.
Ketelhut war ein zuvorkommender und bescheidener Mann, 26 Jahre alt, zog von uns zu Prinz von Hohenzollern, Domäne Gramenz, Krs. Neustettin, und bewirtschaftete dort 500 Morgen Bruchwald und größere, fischreiche Seen. Er ist im Kriege 1939/45 leider gefallen. Gramenz war ca. 20.000 gr. Morgen groß und wohl das größte Gut in Pommern.

Da Bruder Reinhard krank aus dem Kriege 1914/18 mit Malaria heimkehrte, war er immer etwas leidend und verstarb 1936, 43 Jahre alt in Stettin im Karolusstift . Reinhard ruht in Mandelatz auf dem Friedhof in der Nähe seiner Eltern. Er hatte ein selten großes Trauergefolge.

Von einer Tante Hulda Behling erbte er von Seiten seiner Frau ein Haus in Belgard Vorwerk, welches sie sich als Altenteilssitz gebaut hatte, und das Reinhard nach dem Tode der Tante Hulda für 15.000 RM an Postinspektor Otto, Großtychow, verkaufte. Dieser Betrag kam dem Betrieb Mandelatz zugute. Herr Otto setzte sich dort zur Ruhe. Zum Haus gehörte ein Morgen Wiese und wohl auch Acker.

Mit meiner Mutter habe ich wohl gegen 20 Jahre häuslich zusammengewohnt, und zwar im Hause rechts. Sie hat hier oft allerlei Dinge und Erlebnisse aus ihrem Leben erzählt, und wenn sie des Abends im Bett lag, so betete sie, ebenso am Morgen, und ich horchte aufmerksam zu. Sie verrichtete bis zuletzt noch allerlei Hausarbeiten und war recht rüstig. Sie starb am 13.01.1937 mit 80 Jahren in Belgard, ein halbes Jahr nach dem Tode ihres Sohnes Reinhard, und ruht auf dem Mandelatzer Friedhof neben ihrem Gatten Theodor Haeger. Sie konnte Reinhard nicht mehr folgen, da sie schon leidend war. Sie war eine selten treusorgende Mutter. Ich bewohnte nun die zwei Stuben allein, und in der ersten Zeit fehlte immer etwas - die Mutter, mit der ich mich so oft unterhalten hatte.

Ich habe Mandelatz dann weiter bewirtschaftet, bis 1942, wo ich dann zu meiner Frau nach Zarnefanz ging und die Wirtschaft übernahm, da Schwiegervater Friedrich Maaß an Schlaganfall erkrankt war. Er starb am 18. Juni 1943 in Zarnefanz und ruht auf dem Zarnefanzer Friedhof ohne Denkmal, da Krieg war, und kein Grabmal zu haben war und später dann die Russen und Polen einmarschierten.
Ich verheiratete mich am Geburtstag meiner Frau, am 19. Oktober 1934, mit Martha Maaß, geb. 19.10.1905 in Zarnefanz, getraut in Neubuckow von Pastor Raske, aus welcher Ehe zwei Kinder waren:

  • Konrad Hermann Theodor Haeger, geb. 1. Januar 1938 zu Belgard,
  • Werner Kurt Walter Haeger, geb. am 25. November 1941, Belgard.
Nach meiner Verheiratung wirtschaftete ich auch weiter in Mandelatz, da Schwiegervater die Wirtschaft nicht übergeben wollte. Er war ein recht sparsamer, aber überaus ordentlicher Hausvater und Bauer, und er wirtschaftete nach alten Methoden. So besaß er keine Kreissäge und moderne Dreschmaschine. Sein Stolz waren die Pferde, Wagen, Geschirre u. a.
Er besaß in Zarnefanz eine komplette Werkstätte vom Nagelbohrer bis Hobelbank und von der Bohrmaschine bis zur Feldschmiede, und oft im Winter war er darin beschäftigt. Die Wirtschaftsgebäude und Haus sowie Arbeiterhaus an der Straße waren sämtlich von ihm gebaut oder untermauert.
Er wurde von allen Menschen, die ihn kannten, gachtet und geehrt, und er hat sich wohl in seinem ganzen Leben mit keinem gestritten noch gezankt. Wenn ihm etwas nicht paßte, ging er seinen Weg weiter und ließ den Betreffenden stehen. Friedrich Maaß rauchte und trank nicht. Er war am 30. Januar 1864 in Zarnefanz, Krs. Belgard geboren. Ich siedelte 1942 zu ihm, da er krank lag und nicht mehr wirtschaften konnte. Auf der ganzen Wirtschaft fand ich aber nicht eine fremde Arbeitskraft vor. Die letzte hatte man in den Krieg eingezogen und eine neue wohl gestellt, die aber nicht zu gebrauchen war. Ich schickte nun Bärwald zur Frühjahrbestellung nach Zarnefanz, der gut pflügte und eggte, und ich sah von Zeit zu Zeit nach dem Rechten. Dann mietete ich einen Burschen und bekam später einen Polen zu. Jetzt drehte sich schon das Rad der Wirtschaft, und hinzu kaufte ich eine moderne Dreschmaschine, Kreissäge usw. Im ganzen steckte ich 6000 RM so in die Wirtschaft. Da der meiste Acker Mittelboden war, hatte ich sehr gute Ernten. Bisher war die Scheune nicht voll geworden, wenigstens bei der Übernahme nicht, so hatte ich im ersten Jahr eine Roggenmiete auf dem Hauptplan bei Köller, aus der ich 109 Zentner Roggen drosch. Ich erntete teils bis zu 15 Ztr. Roggen pro Morgen. Dann teilte ich den Hauptplan und Mergelberg in sieben Schläge, er war vom Finanzamt Belgard mit der Zahl 47 bonitiert, und bei 47 fing Weizenboden an. Ich bewirtschaftete nun beide Wirtschaften.

Der Vater von Friedrich Maaß, Zarnefanz, war Bauer August Maaß, er stammte aus Lenzen, Krs. Belgard, und hatte sich in Zarnefanz angekauft, in der Nähe des Gutes, im späteren Gärtnerhaus Honinth (1945) . Da er in der Nähe des Gutshofes wohnte, wollte ihn der Gutsherr dort gerne weg haben und baute August Maaß die Wirtschaft dorthin, wo sie heute steht (bzw. 1945 stand). Es muß dies 1860 gewesen sein, denn meine Mutter ist noch im späteren Gärtnerhaus geboren und im Alter von drei Jahren nach der heutigen Stelle verzogen.
Die Wirtschaft war 120 gr. Morgen groß, 60 Morgen Acker, 20 Wiesen und 40 Wald. Der Gutsherr von der Lühe wollte einen Bauern nicht so dicht an seinem Gutshof haben und bot dem Großvater meiner Frau, August Maaß, einen Tausch an, worauf er einging, weil er wohl Vergünstigungen hatte, und von der Lühe baute ihm die Wirtschaft auf die heutige Stelle.
Er hätte ihm noch andere Wünsche erfüllt, doch war August Maaß nicht anspruchsvoll.
August Maaß ist wohl 1896 gestorben, und sein jüngster Sohn Friedrich übernahm die Wirtschaft. Meine Mutter erzählte mir öfter, daß sie am Krankenbett ihres Vaters war und Bruder Reinhard mitgenommen hatte, der drei Jahre alt war, und Reinhard ist 1893 geboren. Friedrich Maaß heiratete nach dem Tode seines Vaters Emilie Müller, Groß Dubberow, wie schon beschrieben.

Von 1940 ab bis zur endgültigen Übersiedlung im Juli 1942 nach Zarnefanz bewirtschaftete ich beide Betriebe und fuhr öfter mit dem Auto von Mandelatz nach Zarnefanz und zurück. 1942 ging ich dann zu meiner Frau nach Zarnefanz, und mein Nachfolger in Mandelatz war ein landwirtschaftlicher Beamter. Aber ich fuhr immer gerne - meistens sonnabends - von Zarnefanz nach Mandelatz, wo ich immer noch die Jagd ausübte und manches Waidmannsheil hatte. Es wurde mir jedes Mal schwer, von Mandelatz Sonntag oder Montag wieder Abschied zu nehmen, zumal ich in Zarnefanz körperlich viel mehr arbeiten mußte und auch keine Jagd hatte. Zwar durfte ich auf dem Gut bei Major Hell die Jagd ausüben, was mich aber nicht ganz befriedigte, da es doch immer nicht mein eigenes Revier war. Hier erlegte ich mit meinen guten Waffen mehrere starke Keiler, und Konrad begleitete mich öfter. Förster Knabe war dann neidisch. Konrad war damals wohl sieben bis acht Jahre alt, und er behauptet, das noch zu wissen. Im Revier Zarnefanz war lange nicht soviel Wild wie in Mandelatz, es grenzte aber Gut Bergen (von Borris), wo es viel Rot- und Schwarzwild gab und ich öfter zur Jagd eingeladen wurde.

Ich möchte nun noch etwas über die Wirtschaft in Mandelatz schreiben, besonders über frühere, spätere und letzte Zeiten. Es wurde angebaut bei 9 Schlägen á 35-40 Morgen und 5 Außenschlägen á 22-30 Morgen bei meinem Vater ca. 100-120 Morgen Roggen. 1 Schlag = 35 Morgen Gemenge-Hafer mit kleiner Felderbse als Futter für die Schafe. Zu damaliger Zeit wurden noch 300 Schafe gehalten. An Hafer ca. 80 Morgen. An Klee bei dreijähriger Brache ca. 40 Morgen, da Mandelatz wiesenarm war und mehr schlechtes Heu hatte als gutes. An Kartoffeln ca. 40 Morgen, Rüben 2-3 Morgen, Saatseradella zu Saat und Heu 25 Morgen, 1-2 Morgen Lein. Zu damaliger Zeit gegen 1910 faßten die vorhandenen Scheunen alles Getreide, im Notfalle wurden einige Scheunendielen bepackt, und ich entsinne mich, in dieser Zeit eine Kornmiete gesehen zu haben. Roggen brachte 8-10 Zentner pro Morgen, je nach Jahr.
Bei der späteren Wirtschaft, bei zweijähriger Brache und 7 Schlägen, die kleefähig waren, und 5 Außenschlägen, waren fast immer 1-2 Roggenmieten á 250-300 Zentner und fast alle Scheunendielen bepackt, zum Teil wurde bei beständigem Wetter vom Felde gedroschen, pro Tag bis 120 Ztr. Roggen. Schafe wurden noch bis 150 Stück gehalten. An Anspannung 8-9 Pferde, 1 Lanz 38 PS Trecker, an Leuten 15-16 Mann und 2 Holzschläger (Waldarbeiter), die in der Ernte mithalfen. Bei Aufforstungen (Kulturarbeiten) hatte ich je nach Fläche bis 25 Frauen und größere Schulkinder.
Man sieht also, daß bei neuerer, intensiverer Wirtschaft fast das Doppelte geerntet wurde, und ich bin heute der Ansicht, daß es noch lange keine Höchsternten waren, wenn ich daran denke, daß hier, in der gesegneten Marsch 2-3 Ztr. Stickstoff pro Morgen zu Getreide (Weizen) gestreut werden. Wir hätten zu Hause nur Lagerkorn gehabt. Zu Kohl werden hier 6 Ztr. pro Morgen gegeben und der Acker gut gedüngt, aber nur zu Kohl (leider).

Wie ich schon vorhin erwähnte, stand in Kiefheide das Jagdhaus, und Onkel Knuth, Berlin-Pankow, wohnte auch einmal im Winter bei Schnee darin. Kurt Treichel, der auch in Mandelatz war, leistete ihm dort auf einige Tage Gesellschaft. So ging Onkel Knuth jeden Abend oben an der Neuenhofer Grenze an die Wiese, wo sich immer Hirsche fährteten. Er hielt aber immer nur bis zehn Uhr abends aus, weil er dann fror, da er keine Unterhosen trug. Dies war schon einige Abende so gegangen, und Kurt machte Herrn Knuth den Vorschlag, doch einmal zu tauschen, worauf Onkel Knuth einging, und dann Kurt einen Hochsitz ca. 300 m hinter dem Jagdhaus einnahm. Kurt war aber erst gegen 9 Uhr abends losgegangen und nahm an, daß die Hirsche spät kämen. Er saß in einem Schirm aus Kiefernstrauch und Wacholder, und mit der Zeit pustete die Kälte durch. Es lag etwas Schnee, und es war kalt, am Abend taute es aber, und es schien kein guter Mondschein. So saß Kurt wohl einige Stunden, bis gegen elf oder zwölf Uhr erst ein schwacher Hirsch austrat, dann ein etwas stärkerer und noch ein Hirsch, dann ein ganz starker, und Kurt hatte doch etwas Herzklopfen bekommen, da der Starke die Schwächeren vorwärts trieb. Er schoß nun durchs Fernrohr, welches auch noch nicht das beste war, und die Hirsche gingen flüchtig ab. Beim Zielen hatte er sich ordentlich anstrengen müssen, da schlechter Mondschein war. Kurt hatte nun vom Bahnhof aus Reinhard angerufen, der in der Nacht mit Albert und Schlitten nach Kiefheide fuhr und mit der Fahrradlampe Nachsuche hielt. Albert hatte gesagt: "Hier ist Blaut, hier...och wo hei blött heb, kiek eis hie!"
Nach ca. 100 m lag dann der Hirsch verendet mit gutem Blattschuß, ein sehr guter Zwölfer zu damaliger Zeit. Onkel Knuth hatte eine Rotte Sauen beim Hochsitz gehabt, war mit der Drillingsmündung gegen das Fenster gestoßen, und alle Sauen waren mit lautem "Wuff" abgegangen.

Es wurden in einer Mondscheinnacht in Mandelatz von Siegfried unter Kurts Führung zwei Stück Keiler und in Kiefheide von Scheunemann zwei starke Keiler und ein stärkerer Keiler von Ruske erlegt. Fünf Keiler in einer Nacht waren doch zu viel, aber es war auch viel Wild da "und viel Wildschaden".
Da sich in Mandelatz immer mehr Jäger einfanden, so z. B. Ruske, Ohlow Priebe, Max Redicke und Scheunemann, Belgard, und schon eine ziemliche Uneinigkeit und Jagdneid herrschte, suchte ich in anderen Revieren, so in Klein Dubberow, Jagdanschluß. Förster Koglin hatte einen ziemlich hohen Abschuß zu erfüllen, und so fuhr ich von Zarnefanz aus an einem Sonntag zum Forsthaus Fundel. Koglin und ich erlegten an diesem Sonntag bis zwei Uhr nachmittags sieben Stücken Hochwild, und zwar drei Stücke Rotwild und vier Stücke Schwarzwild. Koglin schoß noch einen Überläufer vorbei, es wären sonst acht Stücken gewesen (beim Pirschen und Selbstzudrücken).
Zum Schluß des Krieges verfügte der Kreisjägermeister Weske, Schinz, daß Scheunemann, Belgard, und ich nur Mandelatz und Kiefheide bejagten. Wir sind dann beide sehr gut miteinander ausgekommen. Scheunemann erlegte 1943 in der Brunft einen guten Zwölfer Hirsch auf dem Kreuzgestell-Rohrwiesenschonung von der Kanzel aus, die auf dem Kreuz stand. Es war in der Feistzeit und ich beobachtete ihn durchs Glas vom kleinen Wildacker aus.

So habe ich unzählige jagdliche Freuden im herrlichen Mandelatz gehabt, und wenn man am Tage Ärger in der Landwirtschaft hatte, so ging man zur Erholung abends in den Wald, eventuell als stiller Beobachter des Wildes, und setzte sich auf einen Hochsitz.

Die Familie Haeger hat also in 60 Jahren ganz Mandelatz und Vorwerk Kiefheide neu aufgebaut und viel Geld hineingesteckt. Ich selbst erhielt, da Reinhard die Wirtschaft übernahm, 100.000 RM und den Erbteil von meiner Mutter nach deren Tode von 30.000 RM, welche ich durch die Inflationszeit 1920-23 bis auf einen Rest verlor. Es war dies auch mit ein Grund, Mandelatz zu hüten, da ich das, was mir zusagte, nicht mehr kaufen konnte. Außerdem hielten mich meine Mutter und Herr Schulz vom Kauf einer Landwirtschaft in Größe von 500 bis 1000 Morgen zurück, da alle keine Inflationszeit kannten. Dieses Geld, 130.000 RM, war vor 1914 da! Ich siedelte mit 15.000 RM, die ich durch die Inflationszeit gerettet hatte, nach Zarnefanz über. In Mandelatz hatte ich ein Pferd frei, dies setzte ich öfter um und kaufte in vier Wochen mal keins und bekam für den Erlös von 15.000 RM nur noch ein Fohlen. So ist es ja aber Tausenden gegangen.

Krieg und Vertreibung

Es brach 1939 der Krieg aus, und ich wurde am 26. August 1939, damals noch in Mandelatz, mit Lehrer Behling als erster Soldat, bis es November '39 hieß "ältere Jahrgänge aus der Landwirtschaft" sollten entlassen werden. Diesen Krieg verloren wir, und ich war einige Jahre in Zarnefanz, es war der 6. oder 7. März 1945, als die Russen und Polen mich verschleppten, auf Umwegen nach Schinz - Köslin - Schivelbein - Labes bis zum Todesmarsch von Sophienhof (von Bismarck, Schloß Plathe gehörig), nach Kellerhaft, unsäglichen Strapazen und Hungern nach Landsberg a. d. Warthe, wo ich schwere Wassersucht bekam und nach drei Wochen Krankenhaus drei Wochen lang 300 km nach Hause gehen durfte, wo ich Frau und Kinder noch gesund vorfand. Es war dies Mitte Juni '45. Auf meinem Bauernhof war schon ein Pole! Vieh, Pferde usw. waren vom Feind erbeutet und die Wirtschaft leer. Ich ging gebrochen an Leib und Seele zu Hause am Stock herum, bis wir Oktober 1945 vom Hof vertrieben wurden und in Mandelatz Schutz suchten. Meine Schwägerin Ella nahm uns gerne auf, und wir karrten die ca. zwölf Kilometer von Zarnefanz nach Mandelatz mit der Karre, wo wir unsere letzte Habe drauf hatten, und auf der der kleine Werner, vier Jahre alt, ab und zu - besonders wenn Martha karrte - drauf saß. Todmüde kamen wir des Abends an, und in Mandelatz war noch ziemlich Ruhe. Die Wirtschaft war auch recht leer, und zwei Russen hatten das Gutshaus übernommen, in dem noch vier heimatvertriebene Familien aus Ostpreußen und Stettin wohnten. Bemerken möchte ich noch, daß wir in Zarnefanz zuletzt nur noch eine Stube bewohnen durften, und am Abend vor dem Rauswerfen erst mal richtig ausgeplündert wurden, und ich selbst eine Tracht Prügel bezog, da ich einige Sachen heimlich beiseite geschafft hatte, die gefunden wurden.
Verschleppt wurde mit mir zusammen Inspektor Fritz Ratzmann, Major Hell und Müllermeister Müller. Frau Hell hatte inzwischen Gift genommen, sowie auch die Mutter von Hell.

In Mandelatz mußten wir dann arbeiten, bis ich von Februar bis Juni 1946 nochmals mit schwerer Krätze zur Arbeit mit 19 Männern und Frauen nach Meseritz-Obrawalde bei Landsberg a. d. W. zum zweiten Mal verschleppt wurde. Nach endlicher Rückkehr im Juni '46 fand ich Frau und Kinder beim Kartoffelpflanzen doch noch in Mandelatz vor, während Ella, Emma und Kummrow (Inspektor) das Feld geräumt hatten. Charlotte ging, da es zu gefährlich war, schon Oktober '45 allein raus. Sie war unterwegs vollkommen ausgeplündert worden und hatte sich nach vieler Mühe zu ihrem Bruder Siegfried in Holstein eingefunden, der hier als Soldat entlassen war und später als Gemeindeförster in Bohmstedt bei Husum 2 ½ Jahre Dienst tat. Charlotte ist heute geprüfte Schwester im Städtischen Krankenhaus in Husum. Auch die Mutter von beiden, Frau Ella Haeger, fand sich nach einer ganzen Zeit in Bohmstedt ein, nachdem sie von den Russen und ostpreußischen, heimatvertriebenen Frauen, die bei ihr in Mandelatz wohnten, fast alle Tage zur Arbeit angehalten wurde, bis sie schließlich die Heimat verlassen mußte.

Wir selbst blieben noch bis Juni '46 in Mandelatz und konnten dann auch gehen. Es wäre auch zwecklos gewesen zu bleiben, da wir selbst nichts mehr zu essen hatten und von den Russen nicht mal trocken Brot für unsere Arbeit erhielten. Außerdem konnte man das Zerstören und Verwüsten der Heimat auf Dauer nicht ertragen. Und so hatten wir mit dem Wirtschafter Schmökel, Mandelatz B., der auch zur selben Stunde die Heimat verlassen mußte, vereinbart, daß er unsere Sachen, unsere letzte Habe, ab Dubberow mit Fuhrwerk durch Polen nach Belgard, und Schwiegermutter und meine beiden Jungens, Konrad und Werner, mitnahm.

Wir fuhren dann nach einigen Stunden zum Lager Schivelbein/Pommern, und von dort nach acht Tagen unter größten Strapazen in Viehwagen per Bahn nach Stettin, um am nächsten Tage die Reise über Pasewalk - Bad Kleinen - Grevesmühlen - Lübeck bis Heide fortzusetzen, wo wir entladen wurden. Meine Schwiegermutter ist hier in Süderdeich an der mangelhaften Ernährung am 21. November 1946 verstorben. Auch zerrte an ihren Nerven, daß sie die Heimat verlassen mußte. Sie war am 22. April 1874 zu Groß Dubberow geboren. Ebenso ist es ihrer ältesten Tochter Anna Beilfuß, die erst 1947 aus Pustchow, Krs. Belgard vertrieben wurde, ergangen. Sie ist in Sachsen, in der russischen Zone, den Hungertod gestorben und in Vlichteritz, Krs. Weißenfels a. d. Saale beerdigt. Sie verstarb am 6. Juni 1948 und war geboren am 20. Januar 1899 in Zarnefanz, Krs. Belgard/Pommern. Sie war verehelicht mit Bauer Paul Beilfuß, Pustchow, Krs. Belgard, der lungenkrank am 3. April 1943 verstarb. Er war geboren am 27.03.1897 in Pustchow, Krs. Belgard, aus dessen Ehe zwei Kinder, Hildegard und Werner waren. Eine verstärkte Krankheit hatte er sich im Polenfeldzug zugezogen, an deren Folgen er verstarb.
Wir kamen dann nach ca. drei Tagen in Segeberg an und wurden nach einigen Tagen bis Heide/Holstein befördert, von wo wir aufs Land nach Süderdeich transportiert wurden. Bemerken möchte ich, daß wir das Pech hatten, ab Stettin in Kalk- und Zementwagen zu reisen, und so alle vollkommen weiß aussahen. Das war der letzte Haß der Polen gegen die Deutschen; ebenso verkauften die Polen die für uns bestimmte Verpflegung unterwegs, und wir hatten seit einem Tag kein Brot mehr, trotzdem wir drei oder vier Brote aus Stettin mitgenommen hatten.

In Süderdeich hatten wir das Pech, in einer Baracke zu wohnen, wochenlang schwer zu hungern und ohne Bettstellen auf Stroh zu schlafen, bis wir schließlich eine Holzbettstelle bekamen. Was haben wir hier für schwere hunger- und sorgenvolle Jahre hinter uns, und öfter gingen wir aufs Land zu den Bauern, um um Lebensmittel zu betteln, und an mancher Tür klopften wir vergeblich. In erster Linie war es der Bauer Martin Wollatz hier, wo wir in der Ernte helfen durften und dafür Mittagessen, Milch und Geld erhielten, und freudig gingen wir des Morgens immer wieder zu ihm. Nur fehlte uns zur Arbeit die Kleidung, und nach Jahren schafften wir einiges, aber nur das Notdürftigste, an. Wir waren oft dem Verzweifeln nahe, während die hiesige Bevölkerung, besonders die Bauern, oft Feste feierten. Und bis heute, 5. Mai 1950, sind wir, die wir aus dem Osten des Reiches stammen, die Alleinigen, die den verlorenen Krieg bezahlen, während sich andere bereichert haben.

Nach einem Jahr bekamen wir dann eine bessere Stube, wo wir heute noch wohnen (Süderdeich, Haus Nr. 1, Besitzer Paul Ehlers, Heringsand). Inzwischen sind einigermaßen geregelte Verhältnisse in die Westzonen eingekehrt, und nach der Währungsreform (10:1) sind bessere Ernährungsbedingungen geschaffen worden. Aber die Preise sind für alles zwei- bis dreimal so hoch wie vor 1939/45, so daß wir nur das Notwendigste an Lebensmitteln, wie auch an Kleidung, kaufen können, während für die Landwirtschaft ab '45 eine goldene Zeit war, wo der Zentner Roggen oder Weizen bis 700 RM kostete, und der Bauer hier in Holstein hierfür fast alle Leute für Monate hindurch bezahlen konnte. Der Städter, sowie auch der Nichtsbesitzende, besonders die Heimatvertriebenen, hungerten schwer. Man mag an diese Zeit nicht zurückdenken, wo der Schieber ein Bombengeschäft machte.
Ich erhielt für vier Personen damals (1946-49) 86 RM Familienunterhalt und später 96 RM bzw. DM monatlich, und oft haben wir in der Landwirtschaft gearbeitet, um zusätzlich Lebensmittel zu bekommen. Wie oft boten wir uns da zur Arbeit an. An Menschen war sonst alles arbeitslos. Ende


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