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Mandelatz (Kreis Belgard)

Das Gutshaus von Mandelatz A, 1992

Das Gutshaus von Mandelatz A, 1992

Mandelatz mit dem Vorwerk Kiefheide liegt vierzehn Kilometer südöstlich von Belgard im Einzugsbereich von Groß Tychow (Meßtischblätter Nr. 2062 und 2063). Das Vorwerk Kiefheide ist zugleich Bahnstation an der Eisenbahnstrecke Belgard - Neustettin, es wird durch den Burzlaffer Forst von Mandelatz getrennt. Der Ort selbst liegt auf einer Hochebene am rechten Ufer des Hasselbaches, der ganz in der Nähe in die Leitznitz mündet. Beide Wasserläufe bilden mit ihren Niederungen, den großen Waldgebieten und dem Waldweg von Kiefheide über die Burzlaffer Mühle nach Mandelatz ein gern besuchtes Naherholungsgebiet.


Größere Kartenansicht

Mandelatz bei Google Maps (heutiger Name: Modrolas)


Brücke über den Leitznitzbach (links Zustand 30er Jahre, rechts 1992, vgl. auch Karte unten)

Mandelatz, im 18. Jahrhundert noch als Mandelatzke bezeichnet, war zum Teil durch die herrschenden Besitzverhältnisse mit dem Ort Burzlaff verbunden und Eigentum der Familie von Kleist. Am 9. Mai 1719 wurde es an die Familie von Versen verkauft, jedoch schon fünf Monate später, am 23. September, von den Kleistschen Söhnen zurückerworben. Später wechselten die Besitzer wieder. Es tauchen die Namen von Versen, von Zastrow und 1867 wieder von Versen auf. Letzter Eigentümer des Rittergutes mit Kiefheide (vgl. Bild weiter unten, Größe: 327 Hektar) war die Familie Haeger (seit 1886).

Hermann Haeger über die Ersteigerung des Gutes durch die Familie Haeger 1886/87:

In den Jahren 1886/87 ist das Gut Mandelatz A. im Kreise Belgard - bis dahin der Familie von Versen-Burzlaff gehörig - gerichtlich versteigert worden. Vorher waren beide Güter A. und B. auf Jahre verpachtet an Hempel und Schmeling.
Mein Großvater Ludwig und Sohn, mein späterer Vater Theodor Haeger, geb. 21.V.1857, waren zum Versteigerungstermin nach Belgard gefahren und hatten in Gegenwart des ehemaligen Pächters, der auch Interesse am Kauf hatte, das Höchstgebot vom 85.000 oder 86.000 RM abgegeben. Der Bruder vom bisherigen Pächter, der auch zum Termin erschienen war, hatte seinen Bruder zurückgezogen und gesagt: "Du willst doch da nicht pleite werden!"


Nur noch ein weiterer bäuerlicher Betrieb war am Ort vorhanden. Die leichten Böden ließen keine Spitzenerträge zu. Hervorzuheben ist die bekannte Herdbuch-Rinderzucht des Gutes (s. Bild, im Hintergrung der sog. Bockberg).

Die gebräuchlichen Flurnamen wurden mündlich überliefert: Gänseteich (Schlucht mit Wasserrinne), Gatzenbrücke, Musch, Bockberg (trigonometrischer Punkt), Patzlaff Berg (im Volksmund wegen seiner Unfruchtbarkeit auch „Pankrottsberg“ genannt), Sult, Mergelkuhle, Kirchenplätscher, Bauerweg (früher Grenzweg zwischen Guts- und Bauernacker), Kirchsteig, Gräs-Schonung, Stangenfichten, Droy, Rohrwiese, Stadtwiese, Wasch und Knisterbusch.

Der Urnenfund im Sandberg von Oktober 1930 erregte beträchtliches Aufsehen; er weist auf eine Besiedlung der Gegend in vorchristlicher Zeit hin. 1867 waren in Mandelatz und Kiefheide 112 Menschen ansässig. In dieser Zeit waren neben den beiden Rittergütern auch noch einige bäuerliche Betriebe vorhanden. 1939 betrug die Einwohnerzahl 136 Personen in neunundzwanzig Haushaltungen. Die einklassige Volksschule wird 1867 erstmals urkundlich erwähnt. Wilhelm Roggenlutz und sein Vertreter Max Hofstein aus Burzlaff waren als Amtsvorsteher tätig; das Standesamt lag in der Obhut von Lehrer Sense und seinem Stellvertreter Friedrich Christof von Heydebreck aus Neu Buckow. Zuständiger Polizeibeamter war Oberlandjäger Riedel aus Groß Tychow. Gutsbesitzer Haeger (Bild unten) war in den dreißiger Jahren zum Kreisleiter der NSDAP gewählt worden. Er starb im Oktober 1936 an Leukämie.

Reinhard Haeger (1935) Bahnhof Kiefheide (1992)

Nach der Besetzung durch russische Truppen in den ersten Märztagen 1945 wurde die deutsche Bevölkerung von den polnischen Einwanderern vertrieben. Abriß und Verfall vieler Gebäude haben das Ortsbild zerstört. Heutiger Ortsname: Modrolas

Quelle:

  • Überliefert von Elli Jeske, geborene Gutzke.

Hermann Haeger über die letzten Kriegstage in Mandelatz:

Es brach 1939 der Krieg aus, und ich wurde am 26. August 1939, damals noch in Mandelatz, mit Lehrer Behling als erster Soldat, bis es November '39 hieß "ältere Jahrgänge aus der Landwirtschaft" sollten entlassen werden. Diesen Krieg verloren wir, und ich war einige Jahre in Zarnefanz, es war der 6. oder 7. März 1945, als die Russen und Polen mich verschleppten, auf Umwegen nach Schinz - Köslin - Schivelbein - Labes bis zum Todesmarsch von Sophienhof (von Bismarck, Schloß Plathe gehörig), nach Kellerhaft, unsäglichen Strapazen und Hungern nach Landsberg a. d. Warthe, wo ich schwere Wassersucht bekam und nach drei Wochen Krankenhaus drei Wochen lang 300 km nach Hause gehen durfte, wo ich Frau und Kinder noch gesund vorfand. Es war dies Mitte Juni '45. Auf meinem Bauernhof war schon ein Pole! Vieh, Pferde usw. waren vom Feind erbeutet und die Wirtschaft leer. Ich ging gebrochen an Leib und Seele zu Hause am Stock herum, bis wir Oktober 1945 vom Hof vertrieben wurden und in Mandelatz Schutz suchten. Meine Schwägerin Ella nahm uns gerne auf, und wir karrten die ca. zwölf Kilometer von Zarnefanz nach Mandelatz mit der Karre, wo wir unsere letzte Habe drauf hatten, und auf der der kleine Werner, vier Jahre alt, ab und zu - besonders wenn Martha karrte - drauf saß. Todmüde kamen wir des Abends an, und in Mandelatz war noch ziemlich Ruhe. Die Wirtschaft war auch recht leer, und zwei Russen hatten das Gutshaus übernommen, in dem noch vier heimatvertriebene Familien aus Ostpreußen und Stettin wohnten. Bemerken möchte ich noch, daß wir in Zarnefanz zuletzt nur noch eine Stube bewohnen durften, und am Abend vor dem Rauswerfen erst mal richtig ausgeplündert wurden, und ich selbst eine Tracht Prügel bezog, da ich einige Sachen heimlich beiseite geschafft hatte, die gefunden wurden.
Verschleppt wurde mit mir zusammen Inspektor Fritz Ratzmann, Major Hell und Müllermeister Müller. Frau Hell hatte inzwischen Gift genommen, sowie auch die Mutter von Hell.

In Mandelatz mußten wir dann arbeiten, bis ich von Februar bis Juni 1946 nochmals mit schwerer Krätze zur Arbeit mit 19 Männern und Frauen nach Meseritz-Obrawalde bei Landsberg a. d. W. zum zweiten Mal verschleppt wurde. Nach endlicher Rückkehr im Juni '46 fand ich Frau und Kinder beim Kartoffelpflanzen doch noch in Mandelatz vor, während Ella, Emma und Kummrow (Inspektor) das Feld geräumt hatten. Charlotte ging, da es zu gefährlich war, schon Oktober '45 allein raus. Sie war unterwegs vollkommen ausgeplündert worden und hatte sich nach vieler Mühe zu ihrem Bruder Siegfried in Holstein eingefunden, der hier als Soldat entlassen war und später als Gemeindeförster in Bohmstedt bei Husum 2 ½ Jahre Dienst tat. Charlotte ist heute geprüfte Schwester im Städtischen Krankenhaus in Husum. Auch die Mutter von beiden, Frau Ella Haeger, fand sich nach einer ganzen Zeit in Bohmstedt ein, nachdem sie von den Russen und ostpreußischen, heimatvertriebenen Frauen, die bei ihr in Mandelatz wohnten, fast alle Tage zur Arbeit angehalten wurde, bis sie schließlich die Heimat verlassen mußte.

Wir selbst blieben noch bis Juni '46 in Mandelatz und konnten dann auch gehen. Es wäre auch zwecklos gewesen zu bleiben, da wir selbst nichts mehr zu essen hatten und von den Russen nicht mal trocken Brot für unsere Arbeit erhielten. Außerdem konnte man das Zerstören und Verwüsten der Heimat auf Dauer nicht ertragen. Und so hatten wir mit dem Wirtschafter Schmökel, Mandelatz B., der auch zur selben Stunde die Heimat verlassen mußte, vereinbart, daß er unsere Sachen, unsere letzte Habe, ab Dubberow mit Fuhrwerk durch Polen nach Belgard, und Schwiegermutter und meine beiden Jungens, Konrad und Werner, mitnahm.

Wir fuhren dann nach einigen Stunden zum Lager Schivelbein/Pommern, und von dort nach acht Tagen unter größten Strapazen in Viehwagen per Bahn nach Stettin, um am nächsten Tage die Reise über Pasewalk - Bad Kleinen - Grevesmühlen - Lübeck bis Heide fortzusetzen, wo wir entladen wurden. Meine Schwiegermutter ist hier in Süderdeich an der mangelhaften Ernährung am 21. November 1946 verstorben. Auch zerrte an ihren Nerven, daß sie die Heimat verlassen mußte. Sie war am 22. April 1874 zu Groß Dubberow geboren. Ebenso ist es ihrer ältesten Tochter Anna Beilfuß, die erst 1947 aus Pustchow, Krs. Belgard vertrieben wurde, ergangen. Sie ist in Sachsen, in der russischen Zone, den Hungertod gestorben und in Vlichteritz, Krs. Weißenfels a. d. Saale beerdigt. Sie verstarb am 6. Juni 1948 und war geboren am 20. Januar 1899 in Zarnefanz, Krs. Belgard/Pommern. Sie war verehelicht mit Bauer Paul Beilfuß, Pustchow, Krs. Belgard, der lungenkrank am 3. April 1943 verstarb. Er war geboren am 27.03.1897 in Pustchow, Krs. Belgard, aus dessen Ehe zwei Kinder, Hildegard und Werner waren. Eine verstärkte Krankheit hatte er sich im Polenfeldzug zugezogen, an deren Folgen er verstarb.
Wir kamen dann nach ca. drei Tagen in Segeberg an und wurden nach einigen Tagen bis Heide/Holstein befördert, von wo wir aufs Land nach Süderdeich transportiert wurden. Bemerken möchte ich, daß wir das Pech hatten, ab Stettin in Kalk- und Zementwagen zu reisen, und so alle vollkommen weiß aussahen. Das war der letzte Haß der Polen gegen die Deutschen; ebenso verkauften die Polen die für uns bestimmte Verpflegung unterwegs, und wir hatten seit einem Tag kein Brot mehr, trotzdem wir drei oder vier Brote aus Stettin mitgenommen hatten.

In Süderdeich hatten wir das Pech, in einer Baracke zu wohnen, wochenlang schwer zu hungern und ohne Bettstellen auf Stroh zu schlafen, bis wir schließlich eine Holzbettstelle bekamen. Was haben wir hier für schwere hunger- und sorgenvolle Jahre hinter uns, und öfter gingen wir aufs Land zu den Bauern, um um Lebensmittel zu betteln, und an mancher Tür klopften wir vergeblich. In erster Linie war es der Bauer Martin Wollatz hier, wo wir in der Ernte helfen durften und dafür Mittagessen, Milch und Geld erhielten, und freudig gingen wir des Morgens immer wieder zu ihm. Nur fehlte uns zur Arbeit die Kleidung, und nach Jahren schafften wir einiges, aber nur das Notdürftigste, an. Wir waren oft dem Verzweifeln nahe, während die hiesige Bevölkerung, besonders die Bauern, oft Feste feierten. Und bis heute, 5. Mai 1950, sind wir, die wir aus dem Osten des Reiches stammen, die Alleinigen, die den verlorenen Krieg bezahlen, während sich andere bereichert haben.

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